Narzissmus und Helfersyndrom

 

 

Bonde Madsen sah mich ungläubig an. „Ein Arzt?“

„Na ja, auch Ärzte können verrückt sein“, konterte ich. „Sehen Sie uns an. Oder denken Sie an Mengele.“

„Hmm“, brummte er und rieb sich das Kinn.

(Susanne Staun, Totenzimmer)

 

 

Haben Ärzte alle Tassen im Schrank? ÄrztInnen, die es nicht ertragen können, dass eine Patientin einen eigenen Willen und eine eigene Meinung hat, sind krank.

In einem Interview mit einer Praxis im Münchner Hasenbergl, das ärztlich unterversorgt ist, da die Einkommen der Patienten dort eher weniger üppig ausfallen und wenig lukrative IGeL winken, brachte die Vorzüge einer dort gelegenen Praxis zur Sprache: Die Patienten unterwerfen sich hier noch brav den ärztlichen Behandlungsvorstellungen und recherchieren nicht dauernd selbst im Internet.

Einem selbstbewussten Patienten, der sich vor dem Arztbesuch informiert und eine eigene Entscheidung trifft, bietet sich immer dasselbe Schauspiel: Der Arzt reagiert übellaunig bis wütend, denn dieser Patient stellt seine Selbstdefinition in Frage. Schon im Studium entwickeln Mediziner realitätsferne Phantasien von überlegenem und exklusivem Wissen, das für einen Patienten undurchschaubar sein muss und das dieser nicht anzuzweifeln hat. Das deutsche Gesundheitssystem, das keinerlei Kontrollen der Ärzte außer durch die Justiz vorsieht, leistet dem ungehinderten Ausleben des ärztlichen Narzissmus Vorschub. Die unter massivem ärztlichen Einfluss stehende Justiz hat bei der Kontrolle völlig versagt.

 

Die Weißkittelkrankheit

 

„Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute...“ Lukas 1 8, 10

 

Solche Größenphantasien sind typisch für die narzisstische Persönlichkeitsstörung, die unter Ärzten extrem verbreitet sein dürfte. Sie ist charakterisiert durch Selbstbezogenheit und eine hohe Empfindlichkeit gegenüber der Einschätzung durch andere. Man beobachtet es immer wieder: Ärzte nehmen sich selbst sehr wichtig, überschätzen sich und ihr Können und wollen ihre Grenzen nicht akzeptieren. Eine dieser Grenzen, die Ärzte überhaupt nicht respektieren wollen, ist die Rechtssphäre des Patienten, die Ärzte permanent verletzen.

Man unterscheidet den offenen und den verdeckten Narzissmus, die in der Realität regelmäßig in Mischformen auftreten. Einerseits beobachtet man Grandiositätsphantasien mit inflationär hoher Selbstachtung und Anspruchsdenken, andererseits Mimosenhaftigkeit und Unterlegenheitsgefühle. Bei Ärzten fällt die hohe Bereitschaft auf, auf Kritik mit Entwertung des Gegenübers zu reagieren. Ärzte sind naturgemäß sozial gut angepasst und können ihre Gleichgültigkeit gegenüber den Interessen des Patienten sehr gut mit Charme und gekonnter Selbstdarstellung kaschieren. Die Wahrnehmung der Realität ist bei Ärzten regelmäßig  verzerrt und ihren Eigeninteressen untergeordnet, das Gleiche gilt für ihre Argumentationsstrategien, die immer wieder als sehr wenig integer auffallen. Zur Regelung ihres fragilen Selbstwertgefühls streben sie nach möglichst uneingeschränkter Macht.

Dieses Profil ist mir von nahezu allen meinen Arztkontakten vertraut und kann in Form der typischen ärztlichen Hybris für Patienten sogar zum lebensbedrohlichen Problem werden.

 

 

Durchgeknallte Medizin

 

Eng verbunden mit der narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist das Helfersyndrom, das erstmals 1977 vom Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer beschrieben wurde. „Das Helfersyndrom verleiht der Fürsorge eine fanatische Qualität“, umschreibt dieser das Problem für Patienten sehr treffend. Auch der mir sehr vertraute Arztterror wird von Schmidbauer schon beschrieben:

 

„Der Helfer wird Missionar für seine Aufgabe, er entdeckt überall falsche Götter und daher einen unabweisbaren Bedarf für seine Predikt. Mit dem besten Gewissen der Welt jagt er anderen Angst ein, wie jener Arzt, der seine Darmuntersuchungen mit folgendem Spruch vermarktet: Sie sind fünfundvierzig, essen, was Sie wollen, und fühlen sich pudelwohl? Sie sind der typische Darmkrebskranke!“

 

Die Erbitterung und die präpotente Art, mit der Ärzte im Internet z.B. gegen Homöopathie oder andere alternative Heilmethoden oder auch „Impfgegner“ auftreten, spricht Bände.

 

 

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Nachweise werden in Kürze nachgetragen