Klinikum Marienlob*

 

Und wenn sie nicht ins Klinikum Marienlob** eingeliefert wurden, dann leben sie noch heute

 

„Gott geht in den Schuhen des Teufels.“

Karlheinz Deschner

 

Es war einmal ein katholisches Krankenhaus, nennen wir es „Marienlob*“, das stand in einer großen Stadt. Dieses Krankenhaus hatte einen soooo guten Ruf, wie man es nur haben kann, wenn man einen riesigen PR-Apparat zur Verfügung hat und in Jahrhunderten gewachsene enge Beziehungen zu den Mächtigen und zur örtlichen Presse, wo eine Hand die andere wäscht und wo man Hardcore-Fehlleistungen mit Hilfe der Aussendung teuerster Anwälte vertuschen kann, auf dass niemand von den kriminellen Machenschaften erfahre und alles immer so weiter gehen kann wie bisher.

 

Wenn man Experten für das deutsche Gesundheitssystem befragt, heißt es immer wieder unmissverständlich: In katholischen (konfessionellen) Kliniken geht es keinen Deut besser und humaner zu als in der weltlichen Variante. Warum aber glauben so viele Patienten das Gegenteil?

Wie kann es also sein, dass in dieser angeblich so guten Klinik mit dem – ach – so guten Ruf rückschrittliche und für den Patienten gefährliche „Heilmethoden“ angewandt werden, die in anderen Ländern verboten sind und dort die Gefahr strafrechtlicher Konsequenzen bergen? Wie kann es sein, dass in einer solchen Klinik Übergriffe auf Patienten stattfinden, die den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung erfüllen, ohne dass die Justiz einschreitet und wie kommt es schließlich, dass die Öffentlichkeit davon nichts erfährt? Statt der vorgeblichen Nächstenliebe und hoher Ideale entlarven sich Amoral, Lügen, Machtversessenheit und bizarre Prestigesucht, wie wir das von der katholischen Kirche eigentlich bereits gut kennen. Am Beispiel Klinikum Marienlob* lässt sich zudem demonstrieren, was an unserem Gesundheitswesen so furchtbar krank ist, dass Patienten ernsthaft gefährdet werden und enorme Geldmittel in die falschen Kanäle fließen.

 

 

Wie es sich im katholischen Universum so lebt

 

Weit in die Vergangenheit zurück muss man nicht gehen, um sich das Leben unter der katholischen Knute zu vergegenwärtigen.

Nach langem verzweifeltem Kampf nahm die Öffentlichkeit endlich das Schicksal ehemaliger Zöglinge katholischer Waisenhäuser zur Kenntnis. Die filmische Bearbeitung im TV ist ehrenwert und geht unter die Haut, lässt aber das gesamte Ausmaß der Misshandlungen - teilweise handelte es sich um regelrechte Folterungen - im Dunkeln. Aus Irland erreichen uns Nachrichten, man hätte in einer Jauchegrube 800 Kinderskelette gefunden. Auf dem Grundstück befand sich früher ein katholisches Heim für „gefallene Frauen“, unter den dort geborenen Kindern gab es eine Sterblichkeit von 50 Prozent. In Brasilien darf eine Zwölfjährige, die vom eigenen Vater vergewaltigt wurde, die daraus entstandene Schwangerschaft nicht beenden während die deutsche katholische Kirche den Wissenschaftlern, die die ungeheuerlichen Fälle des Missbrauchs von Kindern durch katholische Priester aufgearbeitet hatten, den Mund verbieten will und sich selbst als Opfer geriert. Jüngst flatterte einem Missbrauchsopfer, das schon lange für seine Anerkennung gekämpft hatte, stattdessen ein Steuerbescheid vom Kirchensteueramt ins Haus.

 

 

Die katholische Kirche und das Geld

 

Das Jahr 2013 gab erstmals Einblicke in die amtlich-katholische Einstellung zum Geld. Während man es verstanden hatte, den Eindruck zu erwecken, die Kirche sei bettelarm, häuften sich derweil die Milliarden auf katholischen Konten. Ein typischer Fall: Die gutsituierte katholische Kirche schließt ein Obdachlosenheim wegen Renovierungsbedarf in Höhe von 60 000 Euro, während ein Tebartz van Elst die Millionen nur so heraushaut.

Der katholische Reichtum stammt zum Teil aus fragwürdigen Quellen, so wusste man z.B. immer schon, dass man der Vorsehung ganz gut auf die Sprünge helfen kann, wenn ein reicher Grundbesitzer in einer katholischen Klinik seine letzten Atemzüge tat. Allein für Gottes Lohn haben die gottesfürchtigen Schwestern so gesehen auch früher nicht gearbeitet und auch heute subventioniert der Staat die Kirche und ihre Einrichtungen kräftig mit, und zwar gerade nicht aus der Kirchen - sondern aus allgemeinen Steuern. Der Staat zahlt üppige Bischofsgehälter, aber auch Kitas - die katholische Kirche bestimmt die Regeln und feuert Angestellte, die sich nicht den ziemlich extremen katholischen Vorstellungen der Lebensführung unterwerfen wollen.

Das sind nur einige Stichworte, die zu der Erkenntnis führen, dass es mit der Menschenliebe vor allem katholischer Amtsträger und Machthaber nicht sonderlich weit her ist. Die autoritäre und hierarchische Ausrichtung der deutschen Ärzteschaft passt hervorragend zu diesem katholisch - autoritären Kosmos. Es stellt sich also nicht die Frage, wie die beiden zu erörternden Fälle sich in dieser Klinik ereignen konnten, sondern wie diese Klinik zu einem so guten Ruf kommt.

 

 

Im Gravitationsfeld politisch - katholischer Netzwerke

 

Dass das Klinikum Marienlob* bereits hundert Jahre besteht, ist für Patienten keine gute Nachricht. Das katholische Beziehungs-Spinnennetz reicht überall hin, sogar bis an die Gerichte. Wem in dieser Klinik etwas passiert, sieht sich einem mächtigen Gegner gegenüber.

 

„Das ist kein dörflicher Betbrüderzirkel, sondern eine einflussreiche landesweite Organisation, die rund 600 Mitglieder zählt und den Zweck verfolgt, "katholischen Grundsätzen" in der "gesamten Öffentlichkeit" Geltung zu verschaffen. Der Verein, ein symbiotisches Bündnis von katholischem Klerus und dem fundamentalistischen Flügel der CSU, wird von Bayerns gottesfürchtigem Kultusminister Johannes Baptist Zehetmair, 55, angeführt.“

 

Gemeint ist der Katholische Männerverein Tuntenhausen, der sinnbildhaft, aber auch ganz real für die katholische Einflussnahme auf die bayerische Politik steht. Nur einer der aktuelleren Fälle, wo der Bürger das zu spüren bekommt, ist der Prozess um Vermittlung von Eizellspenden: In Strafvorschriften gegossene katholische Vorstellungswelt.

 

 „Beihilfe zur missbräuchlichen Anwendung von Fortpflanzungstechniken in 19 Fällen.“

 

Der Prozess um die Vermittlung von Eizellspenden an Frauen, die keine andere Möglichkeit haben, ein Kind zu bekommen, nimmt dann auch entsprechend fragwürdige Züge an.

 

„Eine Zeugin war den Tränen nahe, als sie am Mittwoch im Prozess um illegale Befruchtungsmethoden im Ausland intimste Fragen beantworten musste. Angesprochen auf ihre Eizellbehandlungen in Pilsen sagte die 35-Jährige: "Eine Totgeburt, eine Fehlgeburt."

„Es blieb rätselhaft, weshalb die Zeugin überhaupt gehört wurde am Münchner Amtsgericht. Sie hatte nie direkt mit dem angeklagten Rainer O. zu tun.“

 

Dafür hat die Münchner Staatsanwaltschaft also Zeit, während sie Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung gegen Ärzte – wie üblich -  sang-und klanglos einstellt. Erinnerungen an Memmingen werden wach, wo man Frauen vor Gericht zerrte,  demütigte und verfolgte, die mit Hilfe eines Gynäkologen die damals in Deutschland geltenden strengen Abtreibungsregeln umgingen. Auch die Reaktion des bayerischen Gesetzgebers auf das Kruzifixurteil des Bundesverfassungsgerichts gehört in diesen Zusammenhang der katholischen Einflussnahme.

Es lohnt sich aber auch für Einzelpersonen, bei der Kungelei mitzumischen. So kaufte einst der ehemalige Ministerpräsident Max Streibl von der Caritas ein Grundstück in Traumlage am Nymphenburger Schloss, das nach dem Willen der Erblasserin eigentlich einem guten Zweck dienen sollte. Auf dem freien Markt hätte er dafür eine halbe Million mehr berappen müssen. Die Sache wurde ruchbar und dank einer engagierten Journalistin scheiterte der Coup damals.

 

 

Die Medien dürfen nicht fehlen

 

In diversen speziell für Kliniken verfassten Marketingratgebern findet sich die Anweisung, „rechtzeitig“ ein vertrauensvolles Verhältnis zu Journalisten aufzubauen. Besonders Chefärzte könnten doch beim Golf günstige Kontakte zu Verlagshäusern oder Chefredakteuren knüpfen, heißt es da.

Dass das alteingesessene Klinikum Marienlob* auch hier die Nase vorn hat, darf mit einiger Berechtigung vermutet werden, man kann es durchaus in dem einen oder anderen Artikel der ortsansässigen Presseorgane spüren. Embedded Journalism sozusagen, so ist für den Fall des Haftungsfalles, der ja regelmäßig eintritt, vorgesorgt.

Immer wieder bekommt diese Klinik ein Forum geboten für Selbstdarstellung und kostenlose Werbung. Anlässlich des Skandals um vergewaltigte Frauen, die von katholischen Kliniken abgewiesen wurden, da man ihnen die „Pille danach“ nicht geben wollte, erlaubt die SZ dem Chefarzt der Gynäkologie des Klinikums, sich auf fragwürdige Art und Weise in Szene zu setzen. Die Schwestern seien darüber informiert worden, dass die „Pille danach“ keine Art des Schwangerschaftsabbruchs sei, darf er gegenüber der SZ publikumswirksam verlautbaren. Die Schwestern hatten sich anschließend gnädig herabgelassen, die Hilfe für vergewaltigte Frauen „freizugeben“.

So verwandelt man eine frauenfeindliche Haltung in einen dicken Pluspunkt gegenüber anderen Kliniken, die natürlich in dieser Frage keine Werbung für sich machen können, weil für sie die Hilfe in dieser Notsituation die Selbstverständlichkeit ist, die sie im 21. Jahrhundert sein sollte.

 

 

Eine stinknormale deutsche Klinik

 

Immer wieder liest man, wie wichtig es für Kliniken sei, professionelles Marketing zu betreiben, da der Patient die medizinische Qualität einer Klinik nicht einschätzen könne. Wie wahr.

Schon seit Jahrzehnten kommt regelmäßig die Meldung, das deutsche Gesundheitssystem, eines der teuersten der Welt, würde im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld landen. Nun ergab eine Studie zum Vergleich der europäischen Gesundheitssysteme aus Verbrauchersicht, dass deutsche Medizin von allen vergleichbaren Ländern am schlechtesten abschneidet. Sogar Großbritannien ist auf einen Platz vor Deutschland gerückt.

Nach dem zu urteilen, was ich an Einblick in der Auseinandersetzung mit den Ärzten und Verantwortlichen dieser Klinik und durch meine Recherche in Erfahrung gebracht habe, könnte die Medizin im Marienlob* nicht nur mittelmäßig, sondern sogar schlecht sein, aller Medienberichte, Gerüchte und vermeintlichen Patientenlobs zum Trotz. Im Fall von Fehlgeburten setzt es nicht nur die übliche Falschinformation ein, sondern auch Substandard – Methoden, die eine erhöhte Zahl von Früh -, Fehl – und Totgeburten und andere schwere Komplikationen zur Folge haben. Darüber hinaus muss man davon ausgehen, dass im Klinikum Marienlob* eine unbekannte Zahl von Abbrüchen intakter Schwangerschaften vorgenommen wurden.

Man hat guten Grund, auch dieser Klinik gegenüber kritisch zu sein und sich aus unabhängigen Quellen gut zu informieren. Dass das für Patienten leichter wird, dafür setzt sich nicht zuletzt diese Seite ein.

 

 

 

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Nachweise und Links werden in Kürze nachgetragen