Qualität der Medizin im Klinikum Marienlob* im Spiegel der Bewertungen

 

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Die Frau mittleren Alters mit der praktischen Blondfrisur spricht mit schriller Stimme in die Kamera. Eine Hebammen-Gouvernante sitzt da vor einem altmodischen Entbindungsbett, wie es sie bereits in den 1970ern gab, die Szene jagt einem die kalten Schauer über den Rücken. Die Frauen seien ja heute zu faul zum Gebären, äußert sie sinngemäß gegenüber der Sendung Kulturzeit, die ausgerechnet im Marienlob* aufgeschlagen ist, um Fragen zu einem Film über das Recht auf gewaltfreie Geburt zu stellen. „Doch wer wenig Schmerzen will, bekommt auch weniger Glücksgefühl.“ Da haben wir sie wieder, die gute alte katholische Weltsicht von den gottgewollten auferlegten Schmerzen, die man zu ertragen hat. Falls eines der Schäfchen das anders sieht, hilft man halt nach.

Die angeblich gute – oder wie immer wieder behauptet wird – überragende Qualität der Geburtshilfe im Klinikum Marienlob* erweist sich bei näherem Hinsehen als Gerücht und erbringt allenfalls den Nachweis, dass die aggressive Marketingstrategie des Klinikums aufgeht. Es ist die in Deutschland übliche Nullachtfuffzehngeburtshilfe, die im Marienlob* gemacht wird und die schon längst reformiert gehört. Aber um empirische Erkenntnisse schert man sich nicht in der deutschen Medizin. Die geistige Unbeweglichkeit und Faktenresistenz deutscher Gynäkologen ist bemerkenswert. Nur vereinzelt gibt es Neuerungen wie den Hebammenkreißsaal, der ein Segen ist für Gebärende, weil er die klinikgemachten Komplikationen erheblich reduziert.

Es beginnt schon mit diesem lächerlichen Anmeldezirkus. Wenn ich ein Gebäude habe mit drei Eingängen und ich gebe einen für eine Warteschlange frei, dann ist es völlig gleichgültig, welche Tür ich dafür wähle. Es ist völlig absurd von Frauen zu verlangen, sich praktisch gleich nach positivem Schwangerschaftstest zur Geburt anzumelden. Das ist ein Werbetrick, ähnlich wie ihn zum Beispiel auch Joanne K. Rowling für ihre Potter-Romane gewählt hat, der im Erzeugen einer Knappheitsillusion besteht. Wie in jeder Klinik sind die Plätze im Marienlob* zwar begrenzt, aber man erweckt den Eindruck, dass es hier einen extremen Andrang auf ein besonders begehrenswertes Etwas gibt, offenbar durchaus mit Erfolg.

Sieht man sich die Bewertungen zur Entbindung durch, werden vor allem Sachverhalte gelobt, die gar nicht in der Macht der Ärzte stehen (Gebärmutterhalsschwäche oder Spontangeburt nach Sectio) oder es gibt Lob für Selbstverständlichkeiten. So sagte schon Rockenschaub sinngemäß, einen Kaiserschnitt könne jeder Kellner. Was mich besonders ärgert – nein – aufregt ist, wenn die ja durchweg mehr als berechtigte Kritik, z.B. an brutalen und rückwärtsgewandten Methoden, von echten oder Fake-Patienten verharmlost wird. „Ich habe mir halt von Anfang an keinen 5-Sterne-Urlaub vorgestellt…!“ Auffällig ist die hohe Zahl der positiven Bewertungen, die glauben, negative Erfahrungen anderer Frauen „korrigieren“ zu müssen, auch das finde ich ziemlich verdächtig, anmaßend und dreist. Oft spricht aus Kommentaren die blanke Unkenntnis, ziemlich katastrophale Geburtsverläufe werden positiv bewertet. Wenn die „lieben“ oder „netten“ Ärzte gelobt werden, sagt das in der Regel mehr über das Verhalten der Patienten aus als über das der Ärzte. Unterwürfige Patienten werden belohnt, während Ärzte im Konfliktfall ihr wahres autoritäres, ganz und gar nicht patientenfreundliches Gesicht zeigen. Es bestätigt sich, was schon beim Thema Marketing angesprochen wurde: Patienten beschweren sich meistens auch dann nicht oder loben sogar, obwohl sie unzufrieden waren. Auch das Aspekte der gut ausgebauten autoritativen Macht der Ärzte in Deutschland und der Rechtlosigkeit der Patienten.

 

 

Einzelne Bewertungen aus dem Fachbereich Entbindung

 

„Also ich muss hier mal eine Lanze für das Klinikum Marienlob* brechen. Sowohl mein Sohn, als auch meine Tochter kamen dort gesund zur Welt.  unkompliziert und dennoch wurde immer die richtige Entscheidung getroffen!
Bei meinem Sohn waren bei jeder Wehe die Herztöne im Keller...und obwohl zu diesem Zeitpunkt Hochbetrieb in der Klinik herrschte, nahm man sich halbstündlich die Zeit, Blut aus dem Kopf meines ungeborenen Sohnes zu entnehmen, um den Sauerstoffgehalt zu checken. Die Ärzte waren jederzeit hilfsbreit, nett und kompetent und die Hebammen top engagiert!“

 

Wer wie ich viele Haftungsfälle aus der Geburtshilfe nachgelesen hat, dem bricht bei solchen Sätzen der Schweiß aus. Dass man den Sauerstoffgehalt des Blutes untersucht, ist ein absolutes Muss, der Verlauf der schwersten Vorkommnisse, die es die letzten Jahre in Kreißsälen gegeben hat, beginnt auf solche Art und Weise. In den meisten Fällen war ein Kaiserschnitt zu spät vorgenommen worden.  Aber Gott sei Dank ist es ja allermeistens so, dass Kinder in Deutschland gesund zur Welt kommen, das ist im Übrigen auch in der außerklinischen Geburtshilfe so und keine Spezialität des Klinikums Marienlob*. Ob und wie viele Geburtsschäden es in dieser Klinik gibt, wird man nicht erfahren, da Anwälte ihren Mandanten einen Maulkorb umhängen.

 

Zum Beispiel:

Es gibt Leute, die halten ihre eigenen Erfahrungen für wichtiger, wertvoller und entscheidender als die anderer Leute. Solche extrem unreflektierten Menschen sind auf Bewertungsseiten ein echtes Ärgernis. Nun ist natürlich eine gewalttätige Geburtshilfe keine „Erfahrung“, sondern ein Faktum, das auch völlig zu Recht Schwangere, die diese Seite lesen, verunsichern sollte. Immer wieder werden Berichte auch in Foren unterdrückt und niedergeschrien, die von solchen unglaublichen Übergriffen auf Gebärende berichten. Darauf gibt es nur eine Antwort: Es muss berichtet werden, damit es aufhört.

Userin I  spricht es selbst aus: Sie habe sich zu keinem Zeitpunkt unsicher, schlecht beraten oder behandelt gefühlt. Das ist das entscheidende Manko. Erfahrungen von Patienten wären Goldes wert, wenn diese vorher auf neutrale, gute und ethisch korrekte Informationen zugreifen könnten, wie das zur HPV-Impfung bereits einmal vorexerziert wurde. Eine 20-Stunden-Geburt, die mit Saugglocke beendet wird, muss zwar nicht durch Verschulden des geburtshilflichen Personals herbeigeführt worden sein, ist aber ganz sicher kein Qualitätsnachweis. Es handelt sich vielmehr um Komplikationen, wie sie die Klinikgeburtshilfe typischerweise hervorbringt. Saugglockengeburten haben sowohl für die Mutter als auch für das Kind ihre Risiken, vor allem Schäden für den Beckenboden oder verursacht durch den Druck auf den Kinderkopf wären da zu nennen. Es braucht sehr viel Übung und Erfahrung des Geburtshelfers, damit das ohne größere Verletzungen abgeht. Darüber hat man Userin I  ganz offensichtlich nicht informiert, offenkundig spielt hier auch die völlig undifferenzierte Berichterstattung über Kaiserschnitte in den Medien eine gewichtige Rolle.

Userin I  ist eine unkritische und nur sehr konventionell informierte Patientin so ganz nach dem Gusto unserer selbstverliebten und machtbesessenen Ärzte, die den Gebärenden Eingriffe, die nicht Mutter und Kind, sondern den Bedürfnissen der Klinik und des geburtshilflichen Personals dienen, als tolle Leistung verkaufen.

 

Beispiel Userin II:

Eine extrem verdächtige, weil passgenaue Bewertung als „Antwort“ auf den skandalösen verweigerten Kaiserschnitt.

Das Interessanteste an dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit gefakten Bewertung ist, dass die Klinik offenbar trotz des monströsen Vorgehens und der dadurch kürzlich bei einer Gebärenden ausgelösten katastrophalen körperlichen und seelischen Traumata, immer noch am hochgefährlichen Kristellern festhalten wollte.

 

„Unterm Strich stellt sich aber mal wieder heraus, dass das individuelle Empfinden sehr unterschiedlich ist und manche notwendigen Maßnahmen oder nicht umgehbaren Umstände von dem ein oder anderen als Zumutung empfunden werden.“

 

Die Gewalt, die an der Gebärenden vollzogen wurde, wird hier eben mal schnell zur „notwendigen Maßnahme“ und zu „nicht umgehbaren Umständen“ erklärt. Das ist auch der Hebel, mit dem man solche Monstrositäten gegenüber den Müttern unter der Geburt durchsetzt. „Das nützt/schadet ihrem Kind“ heißt es dann und welche Frau, besonders wenn sie über keine unabhängigen Informationen verfügt, würde sich dem widersetzen? Es stellt sich auch die Frage, was durch das Kristellern bei einer Nabelschnurumschlingung besser werden soll, außer dass das Kind durch dieselbe erdrosselt werden könnte oder durch ein Abdrücken der Nabelschnur ein Sauerstoffmangelzustand hervorgerufen werden könnte. Das ist im Übrigen nur in 30 % der Fälle problematisch und wird gerne benutzt, um ungerechtfertigte Eingriffe mit dem Schein der Notwendigkeit zu versehen.

Auch hier wieder nur eine typische Klinikgeburt mit typischen klinikgemachten Komplikationen, wie sie im Geburtshaus, im Hebammenkreißsaal oder bei Hausgeburten sehr viel seltener vorkommen, von besonders guter Qualität kann auch hier nicht die Rede sein.

 

Einzelne Bewertungen aus anderen Fachbereichen

 

Bewertung von User III in Neurochirurgie:

Das dürfte eines der genialen neuen Werke jener „Kommunikationsagenturen“ sein, ein in wirres Gewäsch und Schreibfehler verpackter Werbeprospekt mit ein bisschen Kritik zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit, wo die Konkurrenten ordentlich schlecht gemacht werden. Auf Marketingchinesisch nennt sich das Benchmarking.

Angepriesen werden soll mal wieder eine Behandlungsmethode (PRT), deren Wirkung allenfalls kurzfristig einem Placeboeffekt geschuldet ist, dem aber ernstzunehmende Nebenwirkungen gegenüberstehen bis hin zu Fällen der Querschnittlähmung. Dafür - wen wird das noch wundern - ist die Methode für eine Klinik lukrativ. Auch für die Stufenlagerung, die hier so hervorgehoben wird, die in der angeblich so schlechten anderen Klinik vorenthalten wurde, gibt es keinerlei Wirksamkeitsnachweise.

Sollte es sich um einen echten Patienten handeln, wird die Wirkung der Behandlung nicht lange anhalten, die Klinik aber verdient sich eine ihrer goldenen Nasen.

Vergleiche hierzu mein Fallbeispiel "Querschnittgelähmt"

 

Bewertung in Kardiologie von User IV:

Aus meiner Erfahrung mit dieser Klinik kenne ich das Prinzip des „Präventivschlags“, wie man es auch in meinem Fall angewandt hatte. Es gibt also auch in dieser Klinik „blutige Entlassungen“, was ganz sicher ein echtes Imageproblem für diese Klinik darstellt, ist sie doch mal wieder das Gegenteil dessen, was diese Klinik zu sein behauptet.

Die „blutige Entlassung“ dient einem einzigen Zweck: Gewinnmaximierung. In Zeiten der Fallpauschale macht diejenige Klinik satte Gewinne, die ein Bett pro Jahr möglichst oft und möglichst teuer besetzt. Jetzt wird uns vom Klinikum Marienlob* oder wer auch immer dieser ominöse Arzt sein mag, den User IV hier zitiert, die „blutige Entlassung“ als humanitärer Akt verkauft. Das ist Patientenverblödung auf höchstem Niveau, denn davon ist kein Wort wahr.

„Bleibt man tapfer und jammert nicht, wird man eben sehr schnell entlassen, oft viel zu früh, wie der bekannte Arzt sagte. Mit dem "gesparten" Geld kann man die Patienten ein Wenig länger halten, die im absolut bedrohlichen Zustand sind. Das Prozedere ist aber wahrscheinlich in allen Kliniken der Fall.“

 

Einem Artikel im Ärzteblatt ist zu entnehmen, dass die Fallpauschalen gerade bei Patienten in bedrohlichem Zustand durchaus lukrativ seien und es hätte sich gerade nicht bewahrheitet, dass sich die Kliniken besonders gesunde Patienten aussuchen würden.

Wenn User IV davon spricht, dass die Klinik „nur“ eine Fallpauschale erhält, ist das natürlich ein Witz, da Herzoperationen sehr lukrativ sind. Ein Herzinfarkt kostet „nur“ 2587,67 Euro. Meist ist aber auch eine OP nötig: Das Einsetzen einer Stent-Prothese kostet 16 127,18 Euro, ein Bypass bis zu 29 346,28 Euro. Ein Kardiologe in irgendeiner dieser Dokus, der sich auf Beratung spezialisiert hatte, meinte, von den vorgeschlagenen Operationen, die er aus der Beraterpraxis kenne, seien 80 % nicht indiziert gewesen. Wir sind also wieder einmal beim Thema. Aus meiner angeheirateten Familie begab sich kürzlich jemand in dieses Herzkatheterlabor, das beim Klinikum Marienlob* betrieben wird. Und natürlich hat man versucht, dem Patienten eine minimalinvasive Herzklappenoperation anzudrehen. „Minimalinvasiv“ klingt in Patientenohren fatalerweise immer nach „harmlos“, ist jedoch sehr viel riskanter als die konventionelle OP, bringt es aber finanziell: 35 000 Euro statt 13 000 Euro. Sehr oft muss der Patient dann noch mal konventionell unters Messer, doppeltes Risiko und das darf dann die Krankenkasse auch noch zahlen.

 

 

Was können Patienten wissen?

 

Wenn zum Beispiel die tolle Brustkrebsbehandlung angepriesen wird, weiß der Leser von Klinikbewertungen.de nicht, wie lange die betreffende Person noch leben wird und wie die Sterblichkeit in der betreffenden Klinik aussieht. Vor allem wissen wir nichts über die Indikationsstellung und damit auch nicht, ob eine OP überhaupt nötig war. Das ist ein riesengroßes Problem in Deutschland, wo 5 bis 8  Mal häufiger operiert wird als in allen anderen westlichen Ländern mit Ausnahme von Österreich. Über späte Komplikationen sagen uns die Bewertungen ebenfalls nichts.

Solange es kein System gibt, Patienten objektive Informationen zur Verfügung zu stellen und solange man nichts gegen Fakes unternimmt, bleiben Bewertungsseiten ein Instrument, das man mit großer Vorsicht handhaben muss.

Über das Klinikum Marienlob* erfährt man nichts Sicheres, man muss Patienten dringend dazu raten, skeptisch zwischen den Zeilen zu lesen, sich sehr gut und aus möglichst neutralen Quellen zu informieren und sich nicht auf den guten Ruf dieser Klinik zu verlassen. Dass es nicht so ist wie angepriesen, dürfte allerdings mehr als klar sein.

 

 

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Nachweise werden in Kürze ergänzt