Mosley-Fall

 

„Es geht um Milliarden, nicht um das Werk von Menschenfreunden. Deshalb ist es auch eine Illusion zu glauben, neue Erkenntnisse wissenschaftlicher Studien würden im medizinischen Alltag schnell umgesetzt.“

 

Im Jahr 2002 unternahm der amerikanische Chirurg Bruce Mosley eine Studie, um eine häufig durchgeführte Behandlung am Knie, die sogenannte Arthroskopie, zu testen. Seine Mitarbeiterin hatte eine geniale Idee: Bei der Hälfte der Patienten verfolgte der Patient „seine“ Operation auf dem Bildschirm mit und bekam auch die typischen Geräusche einer Operation zu hören. Es wurde jedoch nur eine Scheinoperation vorgenommen, die sich als genauso wirksam erwies, wie die echte. Die Arthroskopie hat lediglich einen Placebo-Effekt, aber gefährliche Nebenwirkungen. Trotzdem wurde die Behandlungsleitlinie in Deutschland über Jahre nicht geändert, dies auch dann nicht, als der SWR-Journalist Frank Wittig diesen Schlendrian öffentlich angeprangert hatte. Kein Wunder, pro Jahr wurden 150 Mio. Euro mit dieser Knieoperation umgesetzt.

 

Nun klagte ein Geschädigter einer solchen Operation vor den Münchener Gerichten. Meine guten alten Bekannten vom Medizinsenat des OLG München urteilten, wie man es von ihnen leider erwarten musste:

Fallbeschreibung des Anwalts:

 

„Der Verfasser dieses Artikels vertrat vor einiger Zeit einen Patienten vor dem OLG München (Az. 1 U 3057/09), der sich aufgrund einer aktivierten Arthrose nach einer fehlerhaften Knorpelglättung ohne vorherige Einklemmungserscheinungen nur noch mit Gehhilfen fortbewegen konnte. In der mündlichen Verhandlung wurde der gerichtlich bestellte Sachverständige, zugleich Chefarzt für Chirurgie, mit der oben erwähnten Moseley-Studie konfrontiert, um so die Fehlerhaftigkeit der Operation wegen fehlender OP-Indikation zu begründen. Geschickt fragte der gerichtliche Gutachter den ebenfalls anwesenden Privatgutachter des Patienten, Chefarzt eines weiteren Krankenhauses, ob dieser in derartigen Fällen denn nicht selbst auch operiert hätte. Der Privatgutachter schwieg daraufhin; offenbar, weil er derartige Fälle in seinem Haus aufgrund der Vorgaben seiner Krankenhausverwaltung ebenfalls operiert hätte. Im Ergebnis wurde in dem Verfahren daher zwar ein Aufklärungsfehler, nicht aber ein Behandlungsfehler wegen der unnötig durchgeführten Operation festgestellt. Das OLG hatte offensichtlich nicht den Mut, die Fehlentwicklung im Gesundheitswesen durch ein wegweisendes Urteil zu korrigieren.“

 

Fazit:

Diese mafiösen Aktivitäten der Ärzteschaft führen zunächst dazu, dass Patienten mit überflüssigen Operationen traktiert und geschädigt werden. Anschließend verlieren sie aus genau demselben Grund auch noch den Prozess und das Gericht ist nicht imstande, angemessen auf dieses kriminelle Treiben zu reagieren.

Einmal mehr ist das Totalversagen der deutschen Justiz in Sachen Medizinrecht eindrucksvoll dokumentiert.

 

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Bericht über diese Praktiken: Süddeutsche Zeitung, Die Beutelschneider, Chirurgen in der Kritik von M. Schulte von Drach

http://www.sueddeutsche.de/wissen/chirurgen-in-der-kritik-die-beutelschneider-1.285298

 

Sehr empfehlenswertes Buch des renommierten Wissenschaftsjournalisten beim SWR (Odysso, Betrifft): Frank Wittig, Die weiße Mafia, Riva-Verlag

https://www.m-vg.de/riva/shop/article/3044-die-weisse-mafia/

 

Weitere Nachweise werden in Kürze ergänzt