Unnötige Operationen

Der direkte und der indirekte Ärztepfusch

 

„Da ist der Fall einer 55 Jahre alten Frau, die nach einer Herzoperation in der Straubinger Südklinik starb. Dort hatte man ihr die Nierenschlagader verletzt und sie erst sechs Stunden später in ein größeres Krankenhaus transportiert, wo sie nicht mehr zu retten war. Vor dem Landgericht Regensburg kam dann heraus: Die Herzoperation war medizinisch gar nicht notwendig gewesen. Der zuständige Chefarzt, zugleich auch Besitzer der Privatklinik, wurde wegen Körperverletzung und Totschlag in einem minder schweren Fall zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.“[1]

Es ist ein absoluter Ausnahmefall, dass ein Staatsanwalt überhaupt den Kopf hebt, wenn es um Patientenbelange geht. Das muss sich ein Patient schon durch Ableben verdienen, denn üblich ist, dass die Justiz agiert wie eine Feuerwehr, die ein Einschreiten dann erst für nötig hält, wenn das Haus bis auf die Grundmauern niedergebrannt ist.

 

 

Einleitung

 

Es ist kein Zufall, dass der Eindruck in der Öffentlichkeit dominant ist, es handle sich bei Arztfehlern vorwiegend um Dinge, die halt einfach passieren können. Irren sei menschlich oder Ärzte seien auch nur Menschen wird da gebetsmühlenartig wiederholt. Richtig ist: Diese Art Fehler gibt es natürlich auch. Wer sich aber mit Behandlungsfehlern beschäftigt, bekommt eine andere Perspektive auf die Dinge. Die ärztliche Hybris dürfte eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen, man sieht aber auch kriminelle Schlamperei und gravierendes Organisationsverschulden, überhaupt gibt es in Deutschland starke Defizite in der Fehlervermeidung. Das hat auch damit zu tun, dass  sich für Kliniken diese kostenintensiven Maßnahmen nicht lohnen, da sie ohnehin aufgrund der Rechtlosigkeit der Patienten nur selten haften und ihre Versicherungsbeiträge dadurch individuell auch gar nicht steigen.

Völlig unterbelichtet ist der Bereich, den ich indirekten Ärztepfusch nenne, der aber enorme Schäden an der Gesundheit des Patienten, aber auch am Solidarsystem anrichtet. Gerade dieser Art Ärztepfusch, bei dem es auch um kriminelle Machenschaften zulasten der Gesundheit von Patienten geht, sind Juristen überhaupt nicht gewachsen, eine Kontrolle auf einer anderen Ebene fehlt. Wir haben es mit dem kriminologischen Phänomen des „Labeling approach“, das sich mit privilegierten Tätergruppen beschäftigt, zu tun.

 

 

Der klassische Behandlungsfehler (direkter Ärztepfusch)

 

Der klassische Behandlungsfehler begegnet uns in mannigfaltigen Varianten.  Verwechslungen aller Art, falscher Patient, falsche Seite, falsches Körperteil, Geräte falsch bedient, falsches Medikament, falsche Dosis, Diagnose falsch oder schlampig, Narkosefehler, Gegenstände im Körper des Patienten zurückgelassen und zahllose weitere unerschöpfliche Möglichkeiten. Kleine Unachtsamkeiten können in die Katastrophe führen. Aber auch Aufklärungsfehler sind Behandlungsfehler, hier ist der Patient aufgrund der Bevorzugung der Ärzte gegenüber den Patienten durch die Justiz besonders ungeschützt.

 

„Ein Behandlungsfehler liegt vor, wenn der Arzt im Rahmen seiner ärztlichen Tätigkeit die nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft unter den jeweiligen Umständen objektiv gebotene Maßnahme unsachgemäß ausführt, d. h. diejenige Sorgfalt außer Acht gelassen hat, die man allgemein von einem ordentlichen, pflichtbewussten Arzt in der konkreten Situation erwartet.“

 

Man merkt vielleicht schon am „Schwafel-Faktor“ dieser üblichen Definition, dass es bereits hier beim Schutz des Patienten vor ärztlichem Versagen erhebliche Fallstricke gibt. Bereits beim direkten Ärztepfusch kann man vieles wegdefinieren, also hinter einer Durchschnittssorgfalt verstecken. Im Gegensatz zu anderen Ländern sind Patienten in Deutschland vor direktem Ärztepfusch sehr schlecht geschützt.[2]

 

 

Schulmedizinische Scharlatanerie (indirekter Ärztepfusch)

 

Indirekten Ärztepfusch nenne ich schulmedizinische Eingriffe, deren Wirksamkeit und Sicherheit nicht wissenschaftlich nachgewiesen sind. Darunter fallen auch Diagnosen und Indikationen, die einen Normalzustand in einen krankhaften Zustand umdeuten und natürlich auch alle anderen Eingriffe, die nicht medizinisch notwendig sind, dem Patienten aber durch Täuschung untergejubelt werden. Disease mongering (Krankheitenerfindung), Mengenausweitung, Upcoding sowie Medikalisierung sind hier die einschlägigen Schlagworte, zum Teil setzen sie erhebliche kriminelle Energie voraus.

Gerademal 20 % der chirurgischen Verfahren sind wissenschaftlich ausreichend untersucht. Trotzdem wird wild an Patienten herumoperiert. Die Gesundheitsindustrie erfindet ständig neue „Produkte“, für die sie den Patienten als Werkstück benötigt, um an die Vergütung zu kommen. Die Zahlen sprechen für sich: 2010 gab es in der Bundesrepublik 15 Millionen Operationen, 2011 waren es bereits 15,37 Millionen, 2013 waren es 15,8 Millionen. Das sind irrwitzig viele, bezogen auf 80 Millionen Einwohner in Deutschland.

Die Ärztelobby, angeführt vom Präsidenten der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, will uns das weiterhin als „Ausdruck der Leistungsfähigkeit und der Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland“ verkaufen, passenderweise auf einer „Diskussionsveranstaltung“ des  Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed). Lobbyisten unter sich sozusagen. Eine neue Studie des Wissenschaftlichen Instituts der privaten Krankenversicherer (WIP) schlägt in dieselbe Kerbe, mit Hilfe von Zahlenhokuspokus bringt man die OP-Zahlen zum Schrumpfen.[3]

Anderer Ansicht ist da Prof. Dr. Hans Pässler, der nach seiner Emeritierung ein Beratungsportal für Patienten betreibt, die sich dort eine Zweitmeinung einholen können.

 

„Er muss schon deshalb viel operieren, um die Kosten für die Miete hereinzubekommen. Das ist ein Teufelskreis: Indikationen für Operationen werden immer großzügiger gestellt. Das sehe ich jeden Tag. Etwa 50 Prozent meiner Patienten kommen inzwischen zu mir, weil sie eine Zweitmeinung haben wollen. Viele sollten wegen irgendwelcher Lappalien unters Messer.“[4]

 

 

Ärzte und Juristen werden seltener operiert

 

Anfang der 1990er Jahre konzipierte der Gesundheitsökonom Gianfranco Domenighetti zusammen mit dem Sozialmediziner Felix Gutzwiller eine Studie[5], mit der man den sogenannten Goldstandard bei den am häufigsten durchgeführten Eingriffen feststellen wollte. Ausgegangen war man davon, dass Patienten möglicherweise von Leistungen ausgeschlossen seien. Die Überraschung war perfekt: Ärzte sind nicht so dämlich, ihren eigenen Ratschlägen, die sie den Patienten geben, zu folgen. Ärzte werden wesentlich seltener operiert.

Die Medizin ist entgegen dem Eindruck, den sie erwecken will, keine exakte Wissenschaft. Indikationen sind dehnbar, Diagnosen oft abenteuerlich[6]. Ärzte missbrauchen ihre Definitionsmacht in eklatanter Weise, wobei es sich keineswegs um eine neue Entwicklung handelt. Von Anbeginn der sogenannten wissenschaftlichen Medizin an, also ab dem 18. Jahrhundert, brachen Medikalisierungswellen über das Volk herein.

Wenn es in verschiedenen Ländern oder sogar verschiedenen Regionen völlig unterschiedlich hohe Zahlen an Herzkathetereingriffen gibt, die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen aber überall gleich hoch ist, bedeutet das schlicht und einfach, dass der Nutzen dieser Maßnahme äußerst fragwürdig ist.

Die Investigativ-Redaktion der ZEIT ermittelte, dass sich die Ärzte in Deutschland besonders gern in schicken teuren Großstadtlagen ansiedeln[7]. In München gibt es z.B. viel Rückenchirurgie, denn die wird mit am besten bezahlt. Auf 100 000 Einwohner kommen in München 900 Rücken-OPs, bayernweit sind es nur 400. Insgesamt hat Deutschland doppelt so viele Rücken-OPs wie Frankreich und dreimal so viele wie England[8]. Dass es regional sehr große Unterschiede bei den Zahlen der Eingriffe gibt, gilt für fast alle Arten von Behandlungen und Operationen.

 

 

Rezepte gegen Medikalisierung und indirekten Ärztepfusch

 

„In einem Flüchtlingslager im Gaza-Streifen wurde Chalmers Ende der 1960er Jahre bewusst, dass "ich Patienten aus den besten Vorsätzen heraus und basierend auf dem, was ich im Medizinstudium gelernt habe, töte.“

 

Ian Chalmers ist der Gründer der Cochrane Collaboration, die sich zum Ziel gesetzt hat, schulmedizinischen Aberglauben durch solide, qualitativ hochwertige Studien zu ersetzen.[9]

Immer wieder kann auf diese Art bewiesen werden, dass viele etablierte „Heilmethoden“ nicht wirksam sind. Damit kollidieren Chalmers und seine Mitstreiter aber mit den versteinerten hierarchischen Strukturen in der Medizin und beißen bei den Narzissten im weißen Kittel auf Granit. Und das, obwohl sich immer wieder herausstellt, dass besagte Heilmethoden gesundheitsschädlich sind.

Evidenzbasierte Medizin ist die eine Säule gegen den direkten, besonders aber gegen den indirekten Ärztepfusch. Die zweite Säule wäre, den Abstand im Wissen zwischen Arzt und Patienten zu verkleinern, wie auch Domenighetti vorschlägt. Das ist bei den geplanten Maßnahmen gegen den Ärztepfusch in Deutschland aber noch nicht einmal angedacht.

 

 

Eklatantes Beispiel: Knie-Arthroskopie und die Mosley-Studie

 

Evidenzbasierte Medizin macht Patienten gesünder und Ärzte ärmer. Die Widerstände sind natürlich auch deshalb sehr groß, weil Ärzte damit an persönlicher Bedeutung verlieren und damit auch an Macht. Die Schulmedizin ist weitgehend entzaubert, man spricht davon, die Medizin sei in der Krise. Das aber wird den deutschen Patienten gut verheimlicht. Eine Studie, die 53 chirurgische Verfahren einem Placebo-Vergleich unterzog, brachte es neuerlich an den Tag. Dabei handelte es sich um die so beliebten „minimal-invasiven Verfahren“, die vom Patienten fatalerweise mit „harmlos“ gleichgesetzt werden. Nur 26 der 53 Verfahren zeigten sich den Placebo-Eingriffen überlegen und das auch nur in geringem Ausmaß.[10] Konsequenzen werden in Deutschland aus solchen Erkenntnissen selten, gar nicht oder nur um Jahre verzögert gezogen

 

„Doch es drängt sich der Verdacht auf, dass solche Studien (wie die Moseley-Studie) bewusst ignoriert werden, weil sie das, was Tagesgeschäft ist, in Frage stellen", sagt Antes. "Der nächste Verdacht ist, dass es um finanzielle Aspekte geht."

 

Ein skandalöses Beispiel ist die Reaktion der Deutschen Orthopädischen Gesellschaft auf die Mosley - Studie, die nachwies, dass die Kniegelenks-Arthroskopien, die massenhaft durchgeführt werden, keinerlei Effekt über die Placebo-Wirkung hinaus haben. Deutsche Orthopäden operierten einfach munter weiter, sogar dann noch, als der renommierte SWR- Wissenschaftsjournalist Frank Wittig den Skandal öffentlich gemacht hatte.[11] Die Kosten für diesen OP-Bluff: 150 Millionen Euro pro Jahr. Wie viel mag die Summe wohl betragen, wenn man die Kosten aller nutzlosen Operationen zusammenzählt? Dazu kommen auch noch die Behandlungen, die nötig werden, wenn Nebenwirkungen der Operationen eintreten. Für diese kommen nämlich auch die Beitragszahler auf, genauso wie für Arztfehler, die der Patient nicht nachweisen kann.

Das deutsche Gesundheitswesen wäre finanziell sehr gut ausgestattet, würde das Geld auch tatsächlich für sinnvolle Medizin ausgegeben. Für die Gier wird nie genug da sein. Genau das wird aber immer wieder von Lobbyisten gefordert: Nichts ändern und die Beiträge erhöhen.

 

 

Sind die Fallpauschalen schuld?

 

Das Grundübel, als das sie dargestellt werden, sind die berüchtigten Fallpauschalen, "Diagnosis Related Groups" (diagnosebezogene Fallgruppen, DRG), nicht, sie sind besser, als ihr Ruf [6]. Die Medien, aber vor allem auch Ärzte stellen sie gerne als das eigentliche Problem hin, was ihrem Bedürfnis nach Vereinfachung entgegenkommt. Die Kliniken könnten „nur“ noch eine Pauschale abrechnen, heißt es immer wieder. Grundsätzlich sind die DRGs aber extra für eine leistungsbezogene Finanzierung geschaffen worden, sie sind also kaum allein das Problem. Das Setzen falscher Anreize hat man allerdings auch mit den DRGs nicht beseitigt.

Die Kliniken sind der teuerste Brocken im deutschen Gesundheitssystem. Ich erkenne im Moment drei Gründe für deren Finanzierungsprobleme. Zum Einen hat man in den 1970er Jahren zahllose Kliniken auf die grüne Wiese gebaut als bevorzugtes Prestigeprojekt lokaler Politgrößen. Übrig bleiben heute zu viele Klinikbetten, für die es zu wenig Kranke gibt mit den oben beschriebenen Folgen unnötiger Eingriffe. Zum Anderen gibt es eine duale Krankenhausfinanzierung. Die Krankenkassen finanzieren die Betriebskosten, die Länder die Investitionskosten. Letztere sind der politischen Willkür und dem Sparwahn ausgesetzt, Investitionen bleiben aus mit der Folge, dass Kliniken unterfinanziert sind. Zum Dritten drängen immer mehr private Klinikanbieter auf den Markt, die sich die Rosinen picken und sich auf Privatpatienten und/oder lukrative Operationen spezialisieren. Den öffentlichen Kliniken, die zu einer umfassenden Versorgung verpflichtet sind, bleiben grob gesagt die „schlechten“ Patienten.

Das neoliberale Gerede von der Wettbewerbsfähigkeit, der sich die Kliniken stellen sollten, ist das eigentlich Fatale, denn es wird einem System auferlegt, in dem Marktgesetze nicht funktionieren. Im Gesundheitswesen gibt es keine freie Preisgestaltung, das freie Spiel von Angebot und Nachfrage hat mit der Qualität der Gesundheitsversorgung nichts zu tun und zwar schon deshalb nicht, weil der Patient die Leistungen nicht vergleichen kann. In einem öffentlichen Gesundheitswesen den freien Markt auszurufen ist absurd und halsbrecherisch, letzteres trifft allerdings die Patienten und die Versichertengemeinschaft.

Vor Einführung der Fallpauschalen hatten die Ärzte Klage gegen beim Bundesverfassungsgericht erhoben. Sie wurden mit deutlichen Worten abgewiesen. Auf jeden Versuch, den weiteren Anstieg der Kosten zu verhindern, hätte man seitens der Ärzteschaft mit Mengenausweitung reagiert, ließen die Verfassungsrichter wissen. Schon lange vor den Fallpauschalen gab es zu viele und überflüssige Eingriffe, die eine Körperverletzung am Patienten darstellen. In einem SPIEGEL-Artikel aus den 1990er Jahren lassen sich bereits fragwürdige Praktiken der Ärzte ablesen, mit denen sie Patienten zu Operationen drängten. So berichteten Frauen, sie seien mittels Überrumpelung dazu gebracht worden, einer Entfernung ihrer Gebärmutter zuzustimmen[12]. Auch der Chirurg und Gesundheitsökonom Klaus Engert  berichtet bereits Ende der 1990er über Tricksereien, mit Hilfe derer man sich die Einwilligung der Patienten zur OP besorge.[13] Das Problem unsinniger und schädlicher Heilmethoden ist nicht neu, es begleitet auch die sogenannte wissenschaftliche Medizin von Anfang an.

 

 

Sind Ärzte die Opfer der Ökonomisierung?

 

Alle wollen Opfer sein und keiner Täter. So analysiert die Autorin Kirstin Breitenfellner unseren säkularen Opferkult.[14] Ärzte beherrschen das Spiel auf der Opferklaviatur ganz hervorragend und ziehen Nutzen daraus. Aktuell gerieren sie sich als Opfer der Ökonomisierung. Den einen oder anderen Arzt, der da größtes Unbehagen fühlt, wird es sicher geben, Tatsache ist jedoch, dass Ärzte von diesem Zustand auch erheblich profitieren. Niedergelassene Ärzte können durch Zuweiservereinbarungen, auch bekannt als „Kopfprämien“, Gewinn machen, das ist zwar unzulässig, wird aber nach wie vor gemacht. In der Klinik profitieren vor allem Chef-und Oberärzte von Boni-Vereinbarungen, indem sie die Operationszahlen steigern. Das geschieht auf dem Wege des Upcoding mit Hilfe von Falschinformationen oder sogar mit psychischem Druck oder Terror gegen Patienten. Der Assistenzarzt profitiert von den höheren OP-Zahlen, indem ihn jede zusätzliche Operation dem Facharzttitel näher bringt. Die ganze Abteilung profitiert, da sie mit überflüssigen Operationen ihr Bestehen der sichert.[6]

Ärzte legen ein Versprechen ab, niemandem zu schaden. Aber genau das tun sie und zwar in krimineller Weise. Sie sind also keineswegs Opfer und das System ist keineswegs so unangenehm für sie, wie sie vorgeben, sonst wären sie längst auf der Straße, da, wo sie ihre Geldinteressen immer höchst effektiv durchsetzen. Gegen die Ökonomisierung der Medizin habe ich noch keinen Arzt demonstrieren sehen.

 

 

Das NEIN von Patienten endlich ermöglichen

 

Es gibt jetzt so einige Ansätze, etwas an diesen Zuständen zu ändern, die durch ein Reform-Chaos seit den 1970er Jahren verschärft wurden. Die Reformen waren alle als Kostendämpfungsmaßnahmen konzipiert, auf der Strecke blieben Patienten und Pflegepersonal, während Ärzte mit Zuckerl wie der Möglichkeit zum IGeLn getröstet wurden. Die Qualitätssicherung, die jetzt Abhilfe schaffen soll, wird nicht sehr viel helfen, vermutlich wird es neuerlich zu unangenehmen Nebenwirkungen für Patienten kommen.

Was bereits seit Jahrzehnten hätte gemacht werden müssen, sowohl zum Schutz von Patienten als auch gegen die Kostensteigerung, ist die Verschärfung der Vorschriften zur Aufklärung und andere Maßnahmen zur Abmilderung des Machtgefälles zwischen Arzt und Patient, besonders in der Totalen Institution Krankenhaus. Der Ausbeutung von Leiden, Ängsten und dem Anlehnungsbedürfnis des Patienten sollte auch mit objektiven Informationen entgegengewirkt werden, die auch eine indirekte Kontrolle der von Ärzten festgelegten Behandlungsstandards darstellen würde.

Leider steht dem die Verachtung gegenüber den Patienten durch Ärzte, Justiz, Politik, aber auch durch viele Journalisten entgegen. Patienten müssen sich hier energisch engagieren, wenn etwas erreicht werden soll und die passive Rolle, in die sie von den genannten Akteuren gedrängt werden, durchbrechen.

 

 

Upcoding

Upcoding ist eine Form des Abrechnungsbetrugs im Zusammenhang mit dem System der Fallpauschalen. Unter upcoding versteht man eine falsche Kodierung von Diagnose und/oder der Prozedur, die eine höhere Vergütung nach sich zieht.

Abrechnungsbetrug durch "Upcoding".

Prof. Dr. Hendrik Schneider/ Rechtsanwältin Claudia Reich, HRRS Onlinezeitschrift für Höchstrichterliche Rechtsprechung zum Strafrecht/6, 2012

http://www.hrr-strafrecht.de/hrr/archiv/12-06/index.php?sz=6

 

Disease Mongering

Der Begriff wurde von Lynn Payer begründet („Andere Länder, andere Leiden“), die darauf aufmerksam macht, dass diese Unterschiede letztlich auf reiner Ideologie beruhen. Sie zeigt, wie relativ ärztliche Fachkompetenz ist, was nicht erstaunt, hält man sich vor Augen, dass Medizin keine exakte Wissenschaft ist.

 

Medikalisierung

Gut und knapp erklärt auf Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Medikalisierung

 

Mengenausweitung

Da individuelle Preisgestaltung im Gesundheitsbereich nicht möglich ist, wird über die Menge der Umsatz gesteigert:

http://www.gesundheitsstadt-berlin.de/daniel-bahr-will-gegen-mengenausweitung-vorgehen-1498/

„Nach neuesten OECD-Zahlen wird in Deutschland so viel operiert wie kaum in einem anderen Industriestaat. Mit 240 Klinikaufenthalten pro 1.000 Einwohner nimmt Deutschland einen Spitzenplatz unter den 35 OECD-Ländern ein. Der Durchschnitt liegt bei 155.“

 

 

 

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[1] Mitgeteilt durch die Kanzlei Dr. Vachek Rechtsanwälte, Passau

[2] Richterin am Bundesgerichtshof Vera von Pentz, Tendenzen der neueren höchstrichterlichen Rechtsprechung zur Arzthaftung,  MedR (2011) 29: 222–226

[3]

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/55600/Steigende-OP-Zahlen-sind-Ausdruck-fuer-leistungsfaehiges-Gesundheitssystem

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/ueberfluessige-behandlungen-in-deutschland-op-weltmeister-oder-nicht-1.2367161

[4] Jörg Blech, Unnötige Behandlungen: "Ärzte operieren, um die Miete reinzubekommen",

SPON vom 16.08.2011

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/unnoetige-behandlungen-aerzte-operieren-um-die-miete-reinzubekommen-a-780453.html

[5] Domenighetti G et al., Revisiting the most informed consumer of surgical services. The physician-patient.

Int J Technol Assess Health Care. 1993 Fall; 9(4):505-13.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8288426

[6] Wehkamp, Kai, Indikationsstellung: Starker ökonomischer Druck

http://www.aerzteblatt.de/archiv/82312/Indikationsstellung-Starker-oekonomischer-Druck

[7] Karsten Polke-Majewski,  Reich ist gesund, arm bleibt krank , Zeit Online vom 02.04.2014

Haus- und Facharztpraxen verteilen sich ungleich in Großstädten: Je höher die Kaufkraft, desto mehr Ärzte gibt es.

http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-03/arzt-facharzt-praxis-verteilung-berlin-hamburg-koeln-muenchen

[8] Andreas Beez, Das Geschäft mit unserem Rücken, TZ vom 28.01.2012

[9] Martin Kotynek "Wir wollen, dass weniger Ärzte ihre Patienten töten" SZ vom 17. Mai 2010

http://www.sueddeutsche.de/wissen/medizin-wir-wollen-dass-weniger-aerzte-ihre-patienten-toeten-1.535101

[10] Werner Bartens,  Die Aufschneider, SZ vom 25. Mai 2014

 http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/placebo-effekt-in-der-chirurgie-die-aufschneider-1.1973075

[11] Markus C. Schulte von Drach, Chirurgen in der Kritik - Die Beutelschneider, SZ vom 17. Mai 2010

http://www.sueddeutsche.de/wissen/chirurgen-in-der-kritik-die-beutelschneider-1.285298

[12] Der Spiegel vom  21.11.1994, Das gibt sich wieder

Jeder dritten Frau wird im Laufe ihres Lebens die Gebärmutter herausoperiert - meist ohne Not und oft mit schwerwiegenden Folgen. Viele Patientinnen fühlen sich zu dem Eingriff "gedrängt" und "überrumpelt".

Leider ist dieser Artikel immer noch aktuell.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13693506.html

[13] Klaus Engert in: Kuhlmann/ Feuerstein (Hg), Neopaternalistische Medizin: der Mythos der Selbstbestimmung im Arzt-Patient-Verhältnis

[14] Kirstin Breitenfellner, Wir Opfer: Warum der Sündenbock unsere Kultur bestimmt

[15] TZ vom 

 Andreas Beez, OPs: So überreden Ärzte ihre Patienten

http://www.tz.de/leben/gesundheit/operation-ueberreden-aerzte-ihre-patienten-op-schilddruese-oder-darm-2870194.html